Die Wanderhure

Schauspiel von Daniel Hohmann nach dem Roman von Iny Lorentz und Motiven der gleichnamigen Verfilmung. Mit Live-Bühnenmusik von Georg Karger.

Nach DIE PÄPSTIN bringen wir das zweite packende mittelalterliche Frauenschicksal auf die Bühne.

Konstanz im Jahre 1410: Marie, Tochter des wohlhabenden Tuchhändlers Matthis Schärer gilt als das begehrteste heiratsfähige Mädchen der Stadt. Was keiner weiß, Marie liebt Michel, den Sohn eines Schankwirts. Eine Verbindung weit unter ihrem gesellschaftlichen Stand. Der Vater hat längst schon andere Pläne für seine Tochter. Durch die Heirat mit Ruppertus Splendidus, dem Sohn des Reichsgrafen Heinrich von Keilburg soll Marie in den Adelstand erhoben werden. Niemand ahnt, dass hinter Ruppertus Antrag ein teuflischer Plan steckt, der nur auf das Vermögen der Familie Schärer abzielt. Der Ehevertrag ist kaum unterschrieben, da wird die noch jungfräuliche Marie der Hurerei bezichtigt und soll sich vor ein Kirchengericht bekennen. In der Nacht vor dem Prozess wird die wehrlose junge Frau im Kerker von ihren Häschern brutal vergewaltigt. Gekaufte Zeugen und gefälschte Beweise führen zu Ihrer Verurteilung und Entehrung, Marie wird auf Lebenszeit aus ihrer Heimatstadt verbannt. Weil sie sich der Aufforderung zum Schuldeingeständnis verweigert, erfolgt eine öffentliche Auspeitschung am Schandpfahl. Marie wird fast totgeschlagen. Ihren geschundenen Körper schafft man wie Abfall an die Stadtgrenze. Eine Gruppe fahrender Prostituierter findet das Mädchen und nimmt es mit. Maries Lebenswille besiegt das Wundfieber, langsam kommt sie wieder zu Kräften. Ihre Abscheu ist zuerst groß, als ihr bewusst wird, in welcher Gesellschaft sie sich befindet. Rechtlose Huren, denen nur der eigene Körper zum Überleben bleibt. Aber Marie hat keine Wahl, auch sie muss sich als „Hübschlerin“ verdienen. Die Frauen zeigen ihr, worauf es ankommt. Und Marie lernt schnell. Getrieben von ihrem Verlangen nach Gerechtigkeit, streift sie ihre alte Identität ab und wird zur perfekten Wanderhure. Mit der schwangeren Mechthild von Arnstein , die für die Zeit bis zur Niederkunft eine angemessene Gespielin für ihren Gatten sucht, bietet sich für Marie die ersehnte Chance. Denn über die einflussreiche Familie von Arnstein führt eine Spur zu dem Mann, der ihr Leben zerstört hat. So reift ein verwegener Plan …!

Die Titelrolle wird Anja Klawun spielen.

Die Autoren und der Stoff

Die Wanderhuren-Romanserie von Iny Lorentz – ein Pseudonym des Autoren-Duos Iny Klocke und Elmar Wolrath – findet seid Erscheinung des ersten Buches DIE WANDERHURE im Jahr 2004 in Deutschland mehr Leser als die Romane von Mittelalter-Spezialist Ken Follet. Und das zurecht. Vor spätmittelalterlichem Hintergrund erzählen die Autoren spannend und üppig das Schicksal der Konstanzer Bürgerstochter Marie Schärer. Kritiker reduzieren den Stoff gerne auf seinen sexuellen Kontext. Tatsache ist aber, dass sich Frauen schon immer mit Entrechtung, Repression und sexueller Gewalt konfrontiert sehen. Eine erschütternde Realität und bis heute erschreckend aktuell. Dass sich Marie trotz größter Qual und Erniedrigung nicht der Intrige und dem kirchlichen Fehlurteil beugt, sondern um ihr Recht kämpft, macht diese Geschichte für das Theater so spannend. Das Mittelalter in der von den Autoren bestens recherchierten Romanvorlage lässt die ersten Vorzeichen einer neuen Zeit, der Renaissance, erkennen. Vor diesem Hintergrund geht es also auch um die Würde des Einzelnen.

Passend dazu gewählt ist der historische Kontext: Das Konzil zu Konstanz von 1414 – 1418. Ziel war die Überwindung des abendländischen Schismas, der Spaltung der Kirche, die für die Balance der Mächte im europäischen Raum eine große Gefahr darstellte. Aber auch reformatorische und neue gesellschaftliche Ansätze erfuhren ihre erste Blüte. Das wirtschaftlich aufstrebende Bürgertum forderte Mitsprache und Rechte. Der Adel wiederum war oft verarmt und konnte sich nur durch Gewalt und Raubrittertum über Wasser halten. Von daher war eine Allianz zwischen diesen Ständen, geschlossen durch eine Ehe, für beide Seiten von Vorteil. Der Roman DIE WANDERHURE zeichnet ein pralles spätmittelalterliches Sittengemälde und erzählt zugleich einen höchst spannenden und packenden Krimi.

Das bedingungslose und am Ende auch erfolgreiche Streben nach Wiederherstellung der Ehre und auch die aufrüttelnde finale Debatte am Rande des Konzils zu Konstanz symbolisieren die Hoffnung auf eine Erneuerung der Gesellschaft. Das Schauspiel vermittelt all diese Aspekte mit puren theatralischen Mitteln, und will keineswegs mit anderen Medien konkurrieren. Seine Schwerpunkte sind die schauspielerische Kreativität und die Magie des Theaters. Sein Ziel ist bescheiden und ehrgeizig zugleich: Es will klug unterhalten.

Bei den 64. Bad Hersfelder Festspielen 2014 erlebte das Schauspiel am 25. Juni seine Uraufführung. Unter der Regie von Thomas Luft wird theaterlust das Stück in einer exklusiven Tournee-Fassung ab dem 26. Febraur 2016 auf die Bühne bringen.

Pressestimmen zur Uraufführung am 25.06.2014 bei den Bad Hersfelder Festspielen

„Als die 1100 Zuschauer am Mittwochabend mit einem kräftigen Applaus die Uraufführung von „Die Wanderhure“ honorierten, wurden Iny Klocke und Elmar Wohlrath aus dem Publikum auf die Freilichtbühne in der Stiftsruine geholt (…) Nach der ersten Theateraufführung dieses Mittelalter-Stücks sagte Klocke sichtlich beeindruckt: „Ich hätte am liebsten geheult vor Freude hinterher. Es war überwältigend schön.“ Und auch ihr Mann war voll des Lobes: „Es war grandios umgesetzt. Unsere Erwartungen sind übertroffen worden.“ In der Bühnenfassung sei genau das herausgeholt worden, was für das Stück wichtig gewesen sei.“
DPA

„Die Wanderhure ist ein spannender Krimi von der ersten bis zur letzten Minute, die Zeit vergeht wie im Flug, man ist gefesselt von der spannenden Handlung, beeindruckt von den großartigen schauspielerischen Leistungen, geneigt zu Standing Ovations. Das Bühnenbild (Marko Japelj) und die Kostüme (Christine Haller) sind minimalistisch und akzentreich wie man es von Bad Hersfeld gewohnt ist. Daran führt sowieso kein Weg mehr vorbei. Ebenso spielt Janusz Kicas Inszenierung mit jenen minimalistischen Elementen der Darstellung, dem direkten auf das Publikum gerichteten Spiel, dem unverfälschten Ausdruck.“
Osthessen News

„Es ist nicht immer leicht, die Vorlage eines Buches erfolgreich für das Theater zu adaptieren, zumal wenn auch noch eine TV-Verfilmung existiert. Dass es dennoch gelingen kann, beweist neben „Der Name der Rose“ nun auch „Die Wanderhure“. Gerold Theobalt hat aus dem Roman von Iny Lorentz ein gut zweistündiges Sittengemälde der Zeit um 1400 entworfen, das unter der Regie von Janusz Kica vor praller Vitalität und Kampfeinlagen nur so strotzt. Die Premierengäste feierten die Inszenierung mit stehenden Ovationen.“
Gießener Anzeiger

„Es war ein gewagtes Experiment, ein Stück nach einem populären Roman und einem erfolgreichen Fernsehfilm auf die Festspiel-Bühne zu bringen. Seit gestern ist aber klar: Es ist gelungen. Und um es gleich vorweg zu nehmen: „Die Wanderhure“ von Gerold Theobalt (Buch) und Janusz Kica (Regie) ist alles andere als ein Abklatsch der erfolgreichen Vorgänger, mehr als ein bloßes Dranhängen an die Erfolgsgeschichte. Es ist ein eigenständiges, drittes Werk und schafft es, die Kultur aus dem als „seichte Kost“ eingestuften historischen Roman herauszukitzeln (…) Insgesamt also ein stimmiges und sehenswertes Stück, das die diesjährige Erfolgskette der Premieren-Volltreffer lückenlos fortsetzt – wie auch Applaus und Standing Ovations zum Schluss bewiesen.“
lokalo24.de – Kassel

 

Info (PDF) Termine (PDF)

Plakatbestellung Plakatansicht

 

Namen, Daten, Fakten

mit

Anja Klawun
Yasmin Ott
Pia Kolb
Eva Wittenzellner
Stefan Rihl
Benjamin Hirt
Johannes Schön
Reinhold Behling
Gregor Eckert
(9 Darsteller und 1 Musiker)

Inszenierung

Thomas Luft

Komposition/Musik (live)

Georg Karger

Bewegungsarbeit/Choreografie

Sebastian Eilers

Bühne

Erwin Kloker und Eva Lüps

Kostüm

Sarah Silbermann

Lichtgestaltung/Techn. Leitung

Thomas Niedermaier

Video-Gestaltung

N. n.

Dauer d. Vorstellung

Ca. 120 Minuten + Pause

Premiere

26. Februar 2016 im Bürgerhaus Unterföhring bei München

Gastspiele

Bis 11. Mai 2016

2. Tournee
23. September – 02. November 2016

Fotos

Hermann Posch

Aufführungsrechte

AHN & SIMROCK, Bühnen- und Musikverlag, Hamburg

Preis

9.550 € + Tantieme (11 %), Gema