Die Wanderhure

Schauspiel von Daniel Hohmann nach dem Roman von Iny Lorentz und Motiven der gleichnamigen Verfilmung. Mit Live-Bühnenmusik von Georg Karger.

Es könnte so einfach sein. Marie, Tochter eines reichen Tuchhändlers, liebt Michel. Keine gute Partie, so ein Wirtssohn, aber… Sie könnten weggehen aus Konstanz. Maries Vater allerdings hat ganz andere Pläne für seine Tochter. Die Frau von Ruppertus Splendidus soll sie werden, dem Sohn des Reichsgrafen von Keilburg. Niemals! Stolz schmettert Marie dem ungeliebten Verlobten ihr Nein entgegen. Was sie nicht weiß: Sie und ihr Vater sind Opfer einer Intrige. Plötzlich wird Marie der Hurerei bezichtigt. Sie, die Unschuld selbst! Sie wird eingekerkert und vergewaltigt, kommt vors Kirchengericht, beteuert und fleht vergeblich. Ihr Vater, der sie schützen will, wird ermordet, Marie am Schandpfahl fast totgeschlagen und dann aus der Stadt gejagt. Aber der Mensch ist ein zähes Wesen. Marie überlebt und schwört Rache. Nichts wird sie davon abbringen, die, die ihr Leben zerstört haben, zu stellen und zu vernichten. Doch sie – eben noch die ehrbare Bürgerstochter – ist entrechtet und ohne Heimat. Nur als Prostituierte kann sie sich durchbringen, als „Hübschlerin“, als Wanderhure. Aber als Hure hat sie auch Macht – wenn sie geschickt ist. Und alle ihre Gaben nutzt, ihre Schönheit, ihre Intelligenz und ihren Mut der Verzweiflung. Marie hat nichts mehr. Jetzt will sie Macht und
Rache. Wird sie beides bekommen? Hat sie überhaupt eine Chance?

Schon immer waren Frauen mit Repression, Entrechtung und sexueller Gewalt konfrontiert. Maries heroischer Kampf gegen diese haarsträubende Ungerechtigkeit macht ihre Geschichte so spannend: ein opulentes mittelalterliches Sittengemälde um eine starke, faszinierende Frau und gleichzeitig ein hochaktueller Krimi voll aufwühlender Leidenschaft.
Die Verfilmung der WANDERHURE begeisterte rund 10 Millionen Fernsehzuschauer. Die Uraufführung der Bühnenadaption war die Erfolgsproduktion des Bad Hersfelder Festspielsommers 2014. Und die exklusive theaterlust-Tourneefassung geht mit Anja Klawun in der Titelrolle im Frühjahr 2018 zum dritten Mal auf Tournee.

Die Autoren und der Stoff

Die Wanderhuren-Romanserie von Iny Lorentz – ein Pseudonym des Autoren-Duos Iny Klocke und Elmar Wolrath – findet seid Erscheinung des ersten Buches DIE WANDERHURE im Jahr 2004 in Deutschland mehr Leser als die Romane von Mittelalter-Spezialist Ken Follet. Und das zurecht. Vor spätmittelalterlichem Hintergrund erzählen die Autoren spannend und üppig das Schicksal der Konstanzer Bürgerstochter Marie Schärer. Kritiker reduzieren den Stoff gerne auf seinen sexuellen Kontext. Tatsache ist aber, dass sich Frauen schon immer mit Entrechtung, Repression und sexueller Gewalt konfrontiert sehen. Eine erschütternde Realität und bis heute erschreckend aktuell. Dass sich Marie trotz größter Qual und Erniedrigung nicht der Intrige und dem kirchlichen Fehlurteil beugt, sondern um ihr Recht kämpft, macht diese Geschichte für das Theater so spannend. Das Mittelalter in der von den Autoren bestens recherchierten Romanvorlage lässt die ersten Vorzeichen einer neuen Zeit, der Renaissance, erkennen. Vor diesem Hintergrund geht es also auch um die Würde des Einzelnen.

Passend dazu gewählt ist der historische Kontext: Das Konzil zu Konstanz von 1414 – 1418. Ziel war die Überwindung des abendländischen Schismas, der Spaltung der Kirche, die für die Balance der Mächte im europäischen Raum eine große Gefahr darstellte. Aber auch reformatorische und neue gesellschaftliche Ansätze erfuhren ihre erste Blüte. Das wirtschaftlich aufstrebende Bürgertum forderte Mitsprache und Rechte. Der Adel wiederum war oft verarmt und konnte sich nur durch Gewalt und Raubrittertum über Wasser halten. Von daher war eine Allianz zwischen diesen Ständen, geschlossen durch eine Ehe, für beide Seiten von Vorteil. Der Roman DIE WANDERHURE zeichnet ein pralles spätmittelalterliches Sittengemälde und erzählt zugleich einen höchst spannenden und packenden Krimi.

Das bedingungslose und am Ende auch erfolgreiche Streben nach Wiederherstellung der Ehre und auch die aufrüttelnde finale Debatte am Rande des Konzils zu Konstanz symbolisieren die Hoffnung auf eine Erneuerung der Gesellschaft. Das Schauspiel vermittelt all diese Aspekte mit puren theatralischen Mitteln, und will keineswegs mit anderen Medien konkurrieren. Seine Schwerpunkte sind die schauspielerische Kreativität und die Magie des Theaters. Sein Ziel ist bescheiden und ehrgeizig zugleich: Es will klug unterhalten.

Bei den 64. Bad Hersfelder Festspielen 2014 erlebte das Schauspiel am 25. Juni seine Uraufführung. Unter der Regie von Thomas Luft wird theaterlust das Stück in einer exklusiven Tournee-Fassung ab dem 26. Febraur 2016 auf die Bühne bringen.

Pressestimmen

„Was dem grandiosen Ensemble sowie dem gesamten Kreativteam von Theaterlust  in der Umsetzung des Schauspiels von Daniel Hohmann da gelungen ist, muss als eine besonders wertvolle und intelligente Theaterinszenierung bezeichnet werden. Das Publikum im ausverkauften Theater an der Wilhelmshöhe verfolgte das temporeiche und spannend inszenierte Stück sehr konzentriert und tief berührt. … Alles an dieser Inszenierung ist aufs Feinste aufeinander abgestimmt. Moderne Stilmittel standen im engen Kontext zu den historisch angelegten Kostümen und verbanden den historischen Stoff mit der Gegenwart. Livemusik und ein tolles Lichtdesign sorgten für berührende Stimmungen.“
Neue Osnabrücker Zeitung/Lingen

„Es war einer der spannenden Höhepunkte der zu Ende gehenden Theater-Saison in der „TriBühne“. „Die Wanderhure“ nach dem gleichnamigen Roman von Iny Lorentz war ein Stück, das den Namen Theater verdient. In dem ein Schauspiel-Team agiert, das Theater als Leidenschaft lebt, in dem ein uraltes Thema so über die Rampe transportiert wird, dass jeder im Saal merkt, es hat sich in unserer Gesellschaft seit dem Mittelalter nicht viel geändert … Anja Klawun beherrscht in der Titelrolle die gesamte Szene, eine Schauspielerin, die sich dieser Rolle bis zur Schmerzgrenze aussetzt, lacht, weint, tobt und leidet, rebelliert und stolz ihr Recht zurückfordert. Welch‘ eine Bühnenpräsenz!“
Hamburger Abendblatt

„Begeisternde Inszenierung der „Wanderhure“mit einer großartigen Titelheldin (Anja Klawun). Das Schicksal der Wanderhure wurde zum bedeutungsvollen Spiel einer Zeit, zum Exempel, das auf dem Rad der Geschichte immer wiederkehrt. So war das Bühnenbild ein symbolisches Raumspiel der Akteure, Rahmengebilde („Stelen“) dienten als Kerkerzelle und Liegeflächen von Lust und Leid, als Folterkammer und Schutzraum für Huren und Herrscher. Das Ensemble „baute“ in agiler Choreografie die je für sich variablen Räume, ob mit langen Tüchern im Blutrot und im Unschuldsweiß oder kahl und verwirrend verkeilt im Kerker oder als Scheiterhaufen. Die ewige Gültigkeit des Themas spiegelte sich in der expressiven Live-Musik von Georg Karger, der im Schatten des hinteren Bühnenraums auf der Ukulele und Viola da gamba Szenenmusik einspielte, die klanglich nahe am Beginn der Renaissance war. Mit spontanem Zwischenapplaus wurde der Huren-RAP bedacht, perfekt als Übergang in unsere Zeit … So muss Theater sein!“
Münsterländische Volkszeitung

„Die Inszenierung glänzte auf allen Ebenen. Große Kanten-Quader-Gestelle und Stoffbahnen wurden äußerst geschickt als Bühnenbild genutzt. Von asiatisch anmutendem Stahlsaiten-Gitarrenspiel bis hin zu rapartigem Sprechgesang reichte das musikalische Spektrum. Die Rollen waren hervorragend besetzt. Vor allem die Hauptdarstellerin Anja Klawun wusste als Marie Schärer die Tiefen auszuloten.“
www.blixxm.de

„Eine vollkommen eigenständige Inszenierung und Interpretation der Geschichte ließ den Theaterschauspielern soviel Raum, dass etwas ganz Eigenständiges und Modernes dabei entstand. Und das fing schon beim Bühnenbild an. Keine überladene oder aufgesetzte Kulisse drängte sich in den Vordergrund, sondern vielmehr minimalistische Elemente wie lose angeordnete rechteckige Stahlrahmen bildeten die Struktur für die Aufführung … Es ist ein komplexes Stück, was mit „Die Wanderhure“ gezeigt wurde, aber durch die Performance der Schauspieler entstand eine Lebendigkeit, die niemals eine Unterbrechung zu den Zuschauern aufkommen ließ. Dabei wurde geradezu spielerisch zwischen den Stahlrahmen und mit den Stahlrahmen agiert. Vielfach fragte der Zuschauer sich, wie das möglich sein kann: Das Sprechen und Singen und gleichzeitige fast akrobatische Bewegen mit den stählernen Elementen. Alles großartig. Sowie auch das Wechseln der Schauspieler zwischen den einzelnen Charakteren der Figuren, die den Rahmen des Theaterstückes bildeten. Am Ende wird Hanna, die Wanderhure, durch den König Sigismund rehabilitiert und von ihrer Schuld als Hure freigesprochen.“
Mindener Tagblatt

„Ein äußerst emotionaler Theaterabend, der alle Erwartungen übertraf und das Publikum bewegte und ergriff – dank der grandiosen Umsetzung des „theaterlust“ Ensembles!“
Oberbayerisches Volksblatt

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Namen, Daten, Fakten

mit

Anja Klawun
Cécile Bagieu
Pia Kolb
Eva Wittenzellner
Stefan Rihl
Benjamin Hirt
Johannes Schön
Reinhold Behling
Gregor Eckert
(9 Darsteller und 1 Musiker)

Inszenierung

Thomas Luft

Komposition/Musik (live)

Georg Karger

Bewegungsarbeit/Choreografie

Sebastian Eilers

Bühne

Erwin Kloker, Eva Lüps und Louis Panizza

Kostüm

Sarah Silbermann
Alina Scheiler

Lichtgestaltung/Techn. Leitung

Thomas Niedermaier

Video-Gestaltung

Louis Panizza

Dauer d. Vorstellung

Ca. 120 Minuten + Pause

Premiere

26. Februar 2016 im Bürgerhaus Unterföhring bei München

Gastspiele

Bis 11. Mai 2016

2. Tournee
23. September – 29. Oktober 2016

3. Tournee
17. Februar – 17. April 2018

Fotos

Hermann Posch

Aufführungsrechte

AHN & SIMROCK, Bühnen- und Musikverlag, Hamburg

Preis

9.550 € + Tantieme (11 %), Gema